Mögliche Maßnahmen

für eine nachhaltige Regenwaldnutzung

Organisierte Forstwirtschaft auf Gemeindeebene

Indigene Völker nutzen Tropenwälder im kleinen Maßstab seit langem nachhaltig. Dies nahm man sich in einigen Projekten zum Vorbild für eine organisierte und nachhaltige Forst-wirtschaft auf Gemeindeebene. Ein Beispiel dafür sind die tragbaren Sägewerke in Papua-Neuguinea. Diese Sägewerke ermöglichen es den Ureinwohnern, einzelne Bäume direkt nach dem Fällen zu Brettern zu verarbeiten. Dadurch ist weniger Straßenbau erforderlich als für den Abtransport ganzer Stämme. Zudem wird mit dem direkten Verarbeiten zu Brettern ein weiterer Arbeitsschritt in der Wertschöpfungskette vorgenommen. So verbleibt mehr Geld im Dorf als beim bloßen Verkauf unbearbeiteter Baumstämme.


Gummigewinnung

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts leben viele Bewohner des Amazonasgebietes vom so genannten Gummi Zapfen. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Art der Rohstoffgewinnung im Regenwald. Die Gummigewinnung schadet dem Waldbestand nicht, da die Bäume nicht gefällt werden. Die Gummizapfer ritzen die Bäume lediglich an und gewinnen so den heraustropfenden Latex. Es liegt im natürlichen Interesse der Gummizapfer, die Bäume nicht zu überstrapazieren und somit ihr persönliches Einkommen zu sichern. Derzeit leben etwa 63.000 Familien in der Amazonasregion von der Gummigewinnung. Dazu wurden von der brasilianischen Regierung Gebiete ausgewiesen, in denen das Anzapfen der Bäume legal ist. 


Palmfrüchte und Palmherzen

Die Früchte der Acai-Palme, welche im Amazonas-Regenwald wächst, werden traditionell zu einem mineralienreichen Wein verarbeitet. Eine einzige Palme liefert bis zu 20 kg Früchte pro Jahr. Der daraus gewonnene Wein ist das (neben Holzprodukten) lukrativste Produkt aus dem Amazonasdelta. Obgleich der Baum zur Gewinnung der Palmherzen gefällt werden muss, stellt die relativ simple Bepflanzung einfacher Palmbäume inmitten des Regenwaldes eine gute Alternative zur systematischen Abholzung dar. Die größten Importeure von Palmherzen sind die USA, Spanien, Japan, Holland und Belgien. Doch in Südamerika stehen die Acai Frucht und die Palmherzen der Acai Palme fast alltäglich auf dem Speiseplan. In gewissen Regionen macht die Acai Beere über 60 Prozent der täglichen Nahrung der Bevölkerung aus. Sie wird vor allem als Joghurt, Smoothie, Speiseeis oder als ganze Frucht gegessen. Nicht nur die Frucht wird verwendet: Aus den Palmblättern werden Körbe, Hüte und ganze Palmdächer gefertigt. Wegen den vielen gesunden Inhaltsstoffen werden Acaibeeren in Europa und den USA vor allem als Nahrungsmittelergänzung und Diätmittel verwendet.


Früchte und Nüsse

Die wachsende Anziehungskraft neuer Produkte aus der Amazonasregion wie exotische Früchte, Nüsse und Gewürze gewährleistet steigende Chancen für die Vermarktung derselben auf nationalen und internationalen Märkten. Gut 50 heimische Früchte des Amazonas besitzen Eigenschaften, die sie für die internationalen Märkte interessant machen. Beispielsweise enthält die Camu-Camu-Frucht eine höhere Vitamin C-Konzentration als alle anderen bekannten Früchte. Sie wird in die USA exportiert, um dort aus ihr Vitamin-Pillen herzustellen. Die Cupuaçu-Frucht hat einen ausgeprägten exotischen Geschmack und Lebensmittelexperten nehmen an, dass sie in den kommenden Jahren die Weltmärkte für Obst erobern wird. Viele indigene Völker im Amazonasgebiet sammeln traditionell Nüsse für ihren Lebensunterhalt. Auch in diesem Bereich ist eine immense Produktionssteigerung möglich.


Medizinische Produkte

Über zwei Drittel aller im großen Stil hergestellten Pharmazeutika werden aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO nutzen gut 80 Prozent der Weltbevölkerung Pflanzen zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten. Es existieren zum Beispiel Pflanzenextrakte aus Regenwäldern, die effektiv gegen Krebs wirken. Heute sind bereits gut 650 verschiedene Pflanzenarten des Amazonas mit pharmazeutischen Eigenschaften bekannt. Man kann davon ausgehen, dass die tatsächliche Anzahl verwertbarer Pflanzen um ein Vielfaches höher ist.